Prekär beschäftigt in Zeiten des Krieges

Wir hatten uns das alles völlig anders vorgestellt, Tom, Phil und ich. Satte 17 Semester Philosophie auf dem Buckel und die ganz großen Pläne gehabt: Was machen aus seinem Leben und der Welt und überhaupt Frieden und Gerechtigkeit nach den ganzen Katastrophen. Und nun? Jetzt stehen wir hier in diesen albernen Tutus an dieser Bar und sollen diese johlenden Soldaten bespaßen damit sie beschwingt in den nächsten Scheiß-Krieg können. Und das schlimmste ist: Kein Schnaps für Angestellte. Mein Magen wird‘s mir danken. Heute ist sie wieder besonders schlimm, diese Säure. Wenn der schwitzende Fettsack von Chef uns hier an der Bar erwischt erwischt verlieren wir auch noch diesen Drecksjob. Scheiß drauf, ich würde es glatt darauf anlegen, gefeuert zu werden. Ich muss jetzt eine rauchen. Sollte irgendwann das Rauchen in öffentlichen Räumen nicht mehr gestattet sein gebe ich mir die Kugel. Ganz so wie unsere tapferen Soldaten, nur mit mehr Würde. Naja, lass uns nicht von Würde reden, solange mir ein Plüschschweif hinten herausguckt. Und die Strumpfhose ist auch schon wieder gerissen. Wenn Martha das sieht gibt‘s richtig Stress, das würde mir jetzt gerade noch fehlen. Irgend etwas läuft auch wieder zwischen Martha und Phil. Ob sie ahnt, dass er sein Röckchen gar nicht mal so ungern trägt? Sei‘s drum, soll nicht mehr mein Problem sein. Hier in dieser Bar verläuft meine ganz persönliche Frontlinie und es sieht so aus, als ob ich draufgehen werde – jetzt wo Martha weg ist. Zigarette schmeckt nicht ohne Schnaps. Kapelle fängt wieder an zu spielen, wir müssen zurück auf die Bühne.